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Die zeitgenössische Architektur der Regionen – dies – und jenseits der Grenzen – ist Hauptthema der Veranstaltungen der ZV Oberösterreich, die einen Reigen von Publikationen – über Innviertel (LEBENSZEICHEN, 2003) und Mühlviertel (HAUSVERSTAND, 2004) – eröffnet hat; neu erschienen ist im Juni 2008 der Band über das Salzkammergut mit dem Titel „Sommer | frische“.

OBERÖSTERREICHS AUFBRUCH AUF DEM LAND
UND WOHER ER KOMMT

Formiert hatte sich die ZVA-OOE Ende der 1960er Jahre aus einer Initiative um Karl Odorizzi und machte sich anfangs hauptsächlich in der damals von Architekturdiskussionen noch weitgehend verschonten Stadt Linz durch Aktionen zu einzelnen Bau- respektive Zerstörungsvorhaben bemerkbar. So war die ZV auch wesentlich daran beteiligt, die Schleifung des – heute restaurierten – Stadtteils Alt-Urfahr West und die Errichtung eines monströsen Straßenbauprojekts an dessen Stelle zu verhindern.
Zugleich war diese Zeit und die der folgenden Präsidentschaft Ernst Peters auch durch einen nachhaltige Öffnung der oberösterreichischen Szene gekennzeichnet: Das erste oberösterreichische Architektursymposium 1978 in Bad Ischl kam auf Anregung und unter Beteiligung der ZV zustande, wie auch die Einladung internationaler Gäste zu weiteren Vortragsreihen. Im Gegenzug führten Studienreisen die ZV bis Holland, Dänemark, Paris, ins Tessin oder nach Slowenien.
Die Aufbruchstimmung der damals jüngeren oberösterreichischen Architektengeneration manifestierte sich in erfrischenden, Aufsehen erregenden Ausstellungen wie „Baubeginn“ (1987) oder zum noch jungen Holzbau in Oberösterreich (1990).

Eine schwere Erkrankung, die auch das Ende seines fruchtbaren beruflichen Wirkens beim Land Oberösterreich – zuletzt im Wohnbau – bedeutete, beendete 1988 abrupt die über 15-jährige Ära Peters. Christian Haller übernahm den Vorsitz und Christa Lepschi begann, ähnlich wie sie selbst es in den 1980er Jahren in Vorarlberg erfahren hatte, Werkstattgespräche und Exkursionen zu organisieren. Kontakte nach Südböhmen und Brünn, die schon vor 1989 bestanden hatten, wurden in grenzüberschreitenden Projekten intensiviert und eine Bestandsaufnahme des oberösterreichischen Bauens nach 1980 wurde 1997 als Ausstellung und als handliche Foldermappe zusammengestellt.

Nach dem Rückzug von Christian Haller 1998 übernahm Christa Lepschi die Präsidentschaft. In den Beginn dieser Periode fiel die Bauherrenpreisverleihung 2001, die im eben renovierten Welser Minoritenkloster einen würdigen Rahmen fand. Zahl und Qualität der Einreichungen und die damit verbundenen Preise sprengten bisherige Maßstäbe. Im Zuge der aufwändigen Vorbereitungen wurde der Versuch, Architektur in peripheren Regionen des Landes zu dokumentieren, von Walter Werschnig im Innviertel in Angriff genommen. Das Ergebnis, eine Publikation mit dem Titel „Lebenszeichen“, sollte zugleich auch eine Hommage an Oskar Weiß werden, der im Bezirksbauamt Ried schon seit längerem für architekturfreundliches Klima gesorgt hatte. Das Buch wurde durch eine Ausstellung ergänzt, die über mehrere Jahre durch das Innviertel wanderte und Anlass für weitere Veranstaltungen zur Architekturvermittlung in Gemeinden und Schulen unter dem Motto „Baukultur in der Gemeinde“ wurde.

Damit gelang es letztendlich, nachhaltiges Interesse der Politik zu wecken – zuerst beim für den Gemeindehochbau zuständigen Landesrates Josef Ackerl, in Folge auch bei seinen Kollegen Stockinger, Anschober und Keplinger.
Um die anderen Regionen zu bespielen, wurde mit dem Land eine mehrteilige Reihe von Architektur-Gesprächen vereinbart, wozu Referenten wie Friedrich Achleitner, Hans Puchhammer, Ernst Beneder oder Roland Gnaiger gewonnen werden konnten, aber auch engagierte Kommunal- und Landes-Politiker regelmäßig aufs Podium gebeten wurden.
Bei Symposien mit poesievoll-programmatischen Mottos wie „Tauwetter“, “Seewind“, „Herbstzeitlos“ oder „Goldsegen“ in unterschiedlichsten Veranstaltungsorten und Räumlichkeiten – vom regionalen Kulturhaus bis hin zur Erdäpfelhalle – ist es unter Einbindung von Kunstuniversität und Medien gelungen, ein richtiges Netzwerk aus scheinbar gegensätzlich gelagerten Interessen von Politik, Verwaltung und Architektenschaft zu knüpfen. Abgeschlossen wurde diese Serie 2005 mit „Lebenslandschaften – Baukultur und soziale Verantwortung“, einem Symposion zum Thema Wohnen im Alter.

Publizistisch folgte den Innviertler „Lebenszeichen“ 2004 ein Buch für das Mühlviertel mit dem lapidaren Titel „Hausverstand“ – zweisprachig und in Reminiszenz an die frühen Kontakte nach Südböhmen und Brünn. „Sommerfrische“, ein Buchprojekt über das Salzkammergut, ist im Sommer 2008 erschienen.

Seit Herbst 2003 hat auch Oberösterreich mit dem Architekturforum in Linz sein eigenes Architektur-Haus. Veranstaltungen dort werden vorwiegend gemeinsam organisiert. Architekturberichterstattung hat dank Romana Ring einen fixen Platz in der Tagespresse erhalten. Nach Linz sind auch in anderen Städten Gestaltungsbeiräte eingerichtet worden, und bei der Landesregierung der Ortsbildbeirat, eine Art „fliegender“ Gestaltungsbeirat. Wettbewerbe sind keine Grundsatzfrage mehr und die Landesregierung hat Qualitätskriterien beim Bauen mit Steuergeld erlassen. Die Architekturlandschaft in Oberösterreich hat sich verändert – und zweifellos wohl auch verbreitert.

Christa Lepschi & Walter Werschnig